ERFAHRUNGSBERICHTE



Sommercamp 2005 - Erfahrungsbericht einer Mutter



Mein Sohn, Maxim (11 Jahre) begann mit viereinhalb Jahren zu stottern. Vorher hat er völlig normal gesprochen, und war vom Wortschatz her seinen Altersgenossen voraus. Das Stottern begann, als die Trennung seiner Eltern ins Haus stand. Von diesem Zeitpunkt an sind wir von einer Therapie zur Nächsten gegangen: Beratungsstelle der Stadt, Logopädin, Psychotherapie, Bachblüten und Reiki-Behandlung bei einer Heilpraktikerin und nochmals Logopädin… nichts hat wirklich geholfen.

Im Frühjahr wandte ich mich direkt an unsere Krankenkasse. Die Mitarbeiterin dort erzählte mir von einem Jungen aus unserer Stadt, der im letzten Jahr im „Sommercamp-Hessen“ war und eine sehr positive Rückmeldung abgegeben hat. Sie sagte, dass die Kasse die Therapiekosten übernehmen wird. Lediglich die Übernachtungs- und Verpflegungskosten zahlt man selbst. Also habe ich sofort nach diesem „Strohhalm“ gegriffen und Maxim bei Frau Rosenberger angemeldet.

Nun ist er seit zwei Wochen wieder zu Hause. Und dies sind unsere Erfahrungen:

Das Camp hat Maxim riesigen Spaß gemacht, auch wenn es oft sehr anstrengend war. Es fand auch ein Elterninformationstag statt, an dem uns alles über die Therapie und das Thema Stottern ausführlich mitgeteilt wurde. Wir erhielten Einblick in die „Welt des Stotterns“, es fanden Rollenspiele mit den Kindern und Therapeuten statt, und es gab auch einen Erfahrungsaustausch mit den anderen Eltern (was sehr interessant war).

Der Erfolg für Maxim bisher:
Er ist zwar nicht stotterfrei (das hat auch niemand erwartet), aber er ist wesentlich ausgeglichener und selbstsicherer geworden. Seine kleinen „Macken“ (die fast jeder Stotterer hat), hat man ihm abgewöhnen können. Bei ihm war es ständiges Räuspern und eine Bewegung mit den Händen.
- Viele Bekannte haben gesagt, dass er viel gelöster und freier wirkt und auch besser spricht.
- Bei meinen Eltern fing er von selbst an zu erzählen (hat er früher nie getan), und je mehr er sprach, desto fließender wurde das Sprechen. Das ist auch zu Hause so.
- In der Schule zeigt er jetzt sehr oft auf (war vorher eine riesige Überwindung für ihn), und dann hat er seinen Lehrer gefragt: „Wenn ich weiter so viel aufzeige wie jetzt, welche Note bekomme ich dann im Mündlichen?“ Der Lehrer antworte: „Eine eins oder zwei.“
- Er geht jetzt alleine in ein Geschäft und bestellt etwas… Diese Tatsache ist dem In-Vivo-Training zu verdanken. All diese Dinge, hätte es vorher nie gegeben!
Ich kann dieses Camp unter der Leitung von Frau Rosenberger jedem Kind, das stottert, wärmstens empfehlen! Voraussetzung für einen Erfolg ist allerdings, dass es das Kind auch selbst will! Frau Rosenberger rät davon ab, ein Kind dazu zu zwingen. Sie nimmt Kinder nicht an, wenn es nur auf den Wunsch der Eltern geschieht. Und das finde ich sehr lobenswert und seriös.

Abschließend möchte ich noch sagen, dass dieses Camp das Beste war, was Maxim „passiert“ ist. Er freut sich schon jetzt riesig auf das Nachsorge-Wochenende im Oktober und an Pfingsten 2006 und auf die Nachsorge-Woche im Sommer 2006. Er ist schon sehr gespannt, wie es den anderen Kindern in der Zwischenzeit ergangen ist.

Ein großes Lob und Dankeschön auch an alle Therapeuten, Betreuer und Praktikanten des Camps! Sie alle haben zu diesem Erfolg beigetragen! Ein tolles Team!

Sabine Weiland aus Mönchengladbach, 28.08.2005

Sommercamp 2004 - Stottern kann Spaß machen


Ein Stotterer verbrachte 3 Wochen im Sommercamp von Susanne Rosenberger um das Stottern in den Griff zu bekommen.

Für viele Stotterer ist das Leben sehr schlimm, weil sie gehänselt werden oder mit ihrem Stottern nicht klar kommen. Viele werden nachgemacht oder sie werden gar nicht beachtet, weil viele denken, sie gehören nicht dazu oder sind anders. Viele haben dadurch kein Selbstbewusstsein und reden sehr wenig, weil es ihnen peinlich ist, vor anderen zu stottern.
Mir ging es genau so, bis ich das Sommercamp von Susanne Rosenberger (Logopädin, Praxis in Frankfurt) kennen lernte. Im Camp wird geübt mit dem Stottern klar zu kommen und es in den Griff zu bekommen. Es wird das Selbstbewusstsein trainiert, sodass man keine Angst mehr haben muss zu reden oder vorzulesen.
Das Sommercamp dauert 3 Wochen, es findet in einer Jugendherberge in Büdingen statt. Jeden Tag gibt es fünf Therapien, jeweils mit allen Teilnehmern oder in Kleingruppen mit Gleichaltrigen. Insgesamt sind ca. 20 Teilnehmer dabei, mal mehr mal weniger.
Zwischendurch hat man aber auch viel Spaß. Man kann Basketball, Tischtennis oder Billard spielen.... Jeden Abend gibt es ein Abendprogramm, den die Betreuer oder auch die Teilnehmer vorbereiten. Einmal pro Woche gibt es einen Bunten Abend mit Programm von den Teilnehmern und anschließend Disko für alle.
Es werden aber auch Ausflüge gemacht, sodass man mal Abwechslung bekommt. Im Jahr 2004 haben wir die Abwasserkatakomben von Frankfurt besucht und in einem Hochseilgarten bei Frankfurt viel Spaß gehabt. 2-3 mal in der Woche gehen alle in die Stadt und machen In-Vivo-Training. Dies bedeutet, das man Leute anspricht, Fragen stellt oder eine Umfrage macht. Ziel ist es, auch bei Fremden das Stottern in den Griff zu bekommen. Zur Nachsorge finden 2 mal im Jahr Nachsorgewochenenden und einmal im Jahr eine Nachsorgewoche statt.
Ich freue mich, dass ich schon einmal am Sommercamp teilnehmen konnte. Die 3 Wochen haben viel gebracht und es hat mir sehr geholfen.
Wenn jemand etwas mehr darüber wissen will, kann er im Internet unter der Seite www.sommercamp-hessen.de nachsehen.

Julian Lesemeister Klasse 8a Jeanette-Wolff-Realschule Dinslaken

Dieser Artikel wurde im Rahmen eines Schülerprojektes der Jeanette-Wolff-Realschule in der Dinslaker Zeitung veröffentlicht.

Sommercamp 2003 - Ich bin nicht allein mit meinem Stottern


Am Anreisetag war ich sehr traurig, weil ich das einzige Mädchen im Camp war. Aber alle Logopäden und Betreuer haben sich super um mich gekümmert.
Zunächst wurde von allen Teilnehmern Videoaufzeichnungen gemacht, um zu sehen, wie unser eigenes Stottern ist. Jeder von uns hat anders gestottert, deshalb bekam auch jeder unterschiedliche Hilfsmaßnahmen. Am Anfang der Therapiestunde haben wir immer getanzt, um uns frei zu bewegen. Danach, zur Entspannung, haben wir selbst Musik gemacht. Das hat mir viel Spaß gemacht. Dann begann die Therapie.
Wir haben auch etwas für unser Selbstbewusstsein und Vertrauen zu anderen getan. Durch das Camp habe ich mein Stottern besser in den Griff bekommen. Ich bin selbstbewusster geworden, weil ich erfahren habe, dass ich nicht allein mit meinem Stottern bin. Es gibt viele andere, die es auch tun. Nach dem Camp ist vieles für mich besser geworden, ich habe das Gefühl, dass mich alle mehr akzeptieren. Denn ich akzeptiere mich selbst!
Es gibt immer noch Tage, an denen ich mal wieder viel stottere, aber ich kenne jetzt Hilfsmaßnahmen, mein Stottern zu korrigieren. Zur Zeit gehe ich zu einer Logopädin nach Werl, die in den Winterferien auch in dem Camp ist. Ich hoffe, dass noch viele Stotterer ein Camp besuchen werden, um diese positiven Erfahrungen machen zu können.
Ich sage allen: Danke, Danke, Danke!

Auch an die Geschäftsstelle der bvss, die mir gesagt haben, dass es ein solches Camp gibt.

Mandy Schlösser, 14 Jahre

Sommercamp Hessen 2002 - Intensivtherapie für stotternde Kinder und Jugendliche

Zur Vorgeschichte unserer Tochter Franziska, 11 Jahre jung:
Franziska war schon mit 4 Jahren auffällig in ihrem Redefluss. Bald stellte sich heraus, dass sich bei Franziska eine Stotterproblematik abzeichnete. Nun begannen viele Therapiestunden bei Sprachtherapeuten und Logopäden. Wir suchten bei der Bundesvereinigung der Stottererselbsthilfe e.V. in Köln Rat. Studierten Ratgeber für Eltern und Literatur über das Phänomen Stottern. Leider mussten wir feststellen, dass viele Logopäden sowie Sprachtherapeuten mit einer speziellen und individuellen Sprachtherapie überfordert waren. Sie waren einfach nicht in der Lage, ein Konzept aufzubauen, welches Franziska effektiv bei ihrer Stotterproblematik unterstützt hätte.
Wir wurden im Sprachtherapeutischen Ambulatorium der Universität Dortmund mit einer Stotter-Therapie, von der wir uns viel erhofften, buchstäblich zum Versuchsobjekt für angehende Sprachtherapeuten. Alles ohne Erfolg für Franziska! Mit viel Geduld meisterte Franziska all diese Termine.
Durch einen Aushang bei unserem Logopäden, wurden wir auf das Sommercamp Hessen - Therapie für stotternde Kinder - aufmerksam. Leider mussten wir einen erheblich schwierigen Weg, der anfangs mit vielen Hürden belegt war, meistern. Die Krankenkasse musste erst mal von dieser neuen Idee informiert werden. Es mussten Sonderregelungen her. Dieser Intensivkurs war noch nicht bekannt genug, um schnell eine Zusage zu erteilen. Wie es leider immer mit neuen Ideen und Therapien schwierig ist. Unwissende und Personen, die mit einer Stottersymptomatik und deren Begleiterscheinungen überfordert sind, überzeugen.

Wir hatten Erfolg und sind sehr dankbar, dass Franziska an diesem Sommercamp Hessen 2002 teilnehmen durfte. Das Intensiv-Stottertherapie-Sommercamp 2002 fand vom 21. Juli bis 10. August 2002 in dem idyllischen Kronberg im Taunus/Hessen unter der fachlichen Leitung der Logopädin Susanne Rosenberger statt. Franziska fuhr mit gemischten Gefühlen aber zum größten Teil mit positiver Energie mit uns zum Camp. Gleich zu Beginn wurde ein Gespräch mit dem Teilnehmer, sowie den Eltern geführt. Es wurde über Franziskas bisherige Therapien und deren Verlauf gesprochen. Auch, dass ein Schulwechsel ansteht und Franziska festen Willens, gegen ihr Stotterproblem nichts unversucht zu lassen. Es ist schon zu bewundern, mit welchem Willen unser Kind an dieser neuen Form von Therapie herangegangen ist. Was wirklich ganz toll für die Kinder war, dass sie sich wahrscheinlich zum ersten Mal frei und ohne Hemmungen in einer großen Gruppe äußern, sich mitteilen und einfach so sein konnten, wie sie wirklich sind. Sonst besteht das Leben eines Stotterers in der Öffentlichkeit leider aus Verstellungen, Isolation und dem sich irgendwie durchbringen. Den Kindern und Jugendlichen wurde ein neuer Weg zu der Welt eröffnet, die für uns alle da ist und nicht nur für Nichtstotterer. Es gab Einzel- und Gruppentherapien. Die Gruppentherapien waren etwas ganz neues für Franziska. Mit Begeisterung erzählte sie uns von diesen Therapien. Wir als Eltern merkten auch bald erste Erfolge. Wie Franziska von einem Ausflug berichtete, bei dem sie wildfremde Menschen ansprechen sollten. In der Gruppe war das ein ganz anderes, neues Gefühl, weil alle Kinder dieser Gruppe das selbe Handicap hatten. An unserem Wohnort, beim heimischen Logopäden in den Einzeltherapien (40 Minuten) oder auch in Gruppentherapien, wäre ein solcher Einsatz gar nicht möglich. Da spreche ich leider aus Erfahrung! Die Sprachtherapeuten und Logopäden in unserem Regionalbereich widmen sich leider nicht verstärkt der Stottertherapie. Was leider ein großes Manko ist! Ich musste leider auch feststellen, dass viele Logopäden von den im Sommercamp angewandten Therapien nichts wussten. Das lässt darauf schließen, dass sie sich nicht genügend mit der Stotterproblematik auseinandergesetzt haben.

Durch die verschiedenen Therapien im Sommercamp, die auf jedes Kind individuell angepasst werden konnten, hat unsere Tochter einen riesigen Fortschritt zum stotterfreien Leben getan. Wir merken es in allen Bereichen des Lebens. Ihr Selbstbewusstsein ist enorm gestiegen. Sie braucht sich nicht mehr zu verstellen und kann sagen, was sie meint. Ihre interessante Meinung braucht sie nun nicht mehr zurückzuhalten, wie es früher leider oft war. Was nun wirklich hervor gehoben werden muss, ist diese neuartige Therapieform für Stotterer! Durch dieses gemeinsame Erlernen der neuen Möglichkeiten flüssigen Sprechens, wird ihnen die Angst genommen und ihr Selbstbewusstsein deutlich verbessert. Von großem Vorteil ist es eben auch, dass die Kinder und Jugendlichen den ganzen Tag (3 Wochen) zusammen verbringen konnten. Sie konnten gleich die neu erlernten Möglichkeiten anwenden und sich gegenseitig helfen oder verbessern. Dies alles ist bei der ambulanten Therapie eben nicht möglich! Den Eltern war es auch möglich, an den Wochenenden an Therapien teilzunehmen. Als Elternteil ist man ja für jede Information dankbar. Es wurde auch ein Elternseminar angeboten, welches von allen mit Begeisterung angenommen wurde. Bei diesem Seminar wurde den Eltern verschiedene Möglichkeiten gezeigt, um den Kindern zu Hause, bei ihren täglichen Übungen unterstützend zur Seite zu stehen. Wir müssen wirklich sagen, Franziska hat zum Glück wieder Freude, sich mitzuteilen und ihre Meinung zu äußern. Wie es jedem Menschen auch zusteht. Leider sieht es für Stotterer da anders aus!

Wir sind nun überaus glücklich und froh, dass Franziska mit diesen neuen Erfahrungen ihren Lebensweg so gestalten kann, wie sie es für richtig empfindet. Nicht in eine Isolation verfällt, sondern auf die Menschen zugeht, ohne sich zu verstellen. Wir sind sehr dankbar.

Es wäre doch wirklich das Schönste, wenn so viel wie möglich über diese neue Therapieform bekannt gemacht werden würde und somit vielen Kindern und Jugendlichen eine neue Welt eröffnet werden könnte. Es wäre sonst sehr ungerecht!
Carolin Melcher, Klaus Melcher