Pressemappe
Kreisanzeiger vom 10. August 2005
"Ich bin Stotterer, darf ich Ihnen Fragen stellen?"
Intensivtherapie mit praktischer Übung auf Büdinger Straßen
BÜDINGEN (ba). Eine Frau und drei Jungen sitzen in der Eisdiele, es ereignet sich eine alltägliche Situation:
Die vier mustern die Karte, die Bedienung fragt nach den Wünschen, der erste Junge gibt seine Bestellung auf.
Dass er in diesem Moment all seinen Mut zusammenfassen muss, gegen seine Angst ankämpft und erleichtert aufatmet, als er
die Worte "Milch-Shake mit Stracciatella-Eis" über die Lippen kriegt, kann niemand erahnen. Er ist einer von einem Prozent
der Deutschen, die vom Stottern betroffen sind.
Dinge, die generell kein Problem darstellen, wie das Aufgeben einer Bestellung, kosten ihn immer wieder viel Überwindung.
Stottern ist eine Störung im Redefluss, die das Leben der Betroffenen stark beeinflusst. Der Stotternde leidet oft schon im
Kindergarten, aber auch später im Schul- und Berufsleben darunter.
Susanne Rosenberger, Logopädin aus Frankfurt und Initiatorin des Sommercamps für die stotternden Kinder und Jugendlichen,
organisierte erneut eine Intensivtherapie, wozu sich Betroffene aus ganz Deutschland in der Büdinger Jugendherberge
trafen.
Und in Büdingens Altstadt gingen die jungen Leute schließlich bei den praktischen Übungen erfolgreich gegen ihr
Sprechdefizit an.
Das Konzept basiert auf einer speziellen Therapie. Zusätzlich wurden auch noch diverse Übungen aus der Wahrnehmungstherapie
eingebaut, um ein ganzheitliches Vorgehen zu ermöglichen mit dem Schwerpunkt der sofortigen Umsetzung des Gelernten in die
alltäglichen Kommunikationssituationen.
Die Jugendlichen sollen zum Beispiel dazu in der Lage sein, auf der Straße auf Passanten zuzugehen und sich ihnen mit den
Worten vorzustellen: "Hallo, mein Name ist.... Ich bin Stotterer. Darf ich Ihnen vielleicht ein paar Fragen stellen?" Und
dann entsteht ein Dialog.
Susanne Rosenberger betonte die Bedeutung des zentralen Treffens mit therapeutischem Training für die jungen Leute und
freute sich natürlich über die zahlreich erreichten Fortschritte ihrer Schützlinge beim Kampf gegen das Stottern.
Taunus Zeitung vom 30. Oktober 2004
Nicht alle Kassen unterstützen Stotter-Therapie
Von Christoph Rech
Oberstedten. Jeder ist schon einmal einem Stotterer begegnet und kennt die Probleme, mit denen
Betroffene zu kämpfen haben. Das Phänomen kann aber erfolgreich therapiert werden, auch wenn
es nicht völlig ausgeschaltet werden kann. Wie sie mit dem Stottern umgehen können, lernen an
diesem Wochenende 22 Kinder und Jugendliche im Haus Heliand.
Die Nachsorge-Veranstaltung knüpft an das dreiwöchige Sommercamp - eine
Stotter-Intensivtherapie unter der Leitung von Logopädin Susanne Rosenberger - an.
"Wir machen bei jedem Kind individuell weiter, wo wir aufgehört haben", erklärt Rosenberger,
die seit einigen Jahren das Haus Heliand für solche Veranstaltungen nutzt.
Ein Team von insgesamt zehn Leuten, unter ihnen Logopäden, Praktikanten und Betreuer,
stehen an ihrer Seite. Man analysiere unter anderem, welche Übungen nach dem Sommercamp
gelingen würden und was noch verbessert werden könnte. "Eventuell müssen wir eben spezielle
Übungen finden", erklärt Susanne Rosenberger, die mit den Teilnehmern bereits Erlerntes
auffrischen will.
Durch ein solches "Auffrischungswochenende" seien die Therapieerfolge sehr viel
wirksamer, weiß die Logopädin, die seit vier Jahren die Stotter-Intensivtherapie anbietet.
"Das Sprechen verändert sich nachhaltig", so Rosenberger, aber man müsse "ständig hinterher
sein". Und das gehe nur in der Gruppentherapie.
Rosenberger kann das nicht allein in ihrer Praxis bewältigen, zu der die Patienten ein Mal
in der Woche kommen. Für einige Eltern der Teilnehmer ergibt sich allerdings bei den
Auffrischungswochenenden, die jeweils im Herbst und im Winter angeboten werden, ein Problem.
"Manche Kassen zahlen, manche nicht", sagt die Therapeutin. Rund 50 Euro koste ein solches
Auffrischungswochenende .
Die allein erziehende Mutter Nicole Cortês beispielsweise könne das Geld kaum
aufbringen. Für ihre zwölfjährige Tochter Carol-Ann ist die Nachsorge-Veranstaltung jedoch
wichtig. "Sie ist selbstbewusster geworden", erzählt Cortês. Carol-Ann habe "rasante
Fortschritte" gemacht. Ihre Tochter wolle sogar Moderatorin oder Schauspielerin werden -
Berufe, bei denen sehr viel gesprochen werden muss.
Verstehen kann sie die Ablehnung der Krankenkasse nicht. "Kontinuierliches Arbeiten" ist
ihrer Ansicht nach auch nach dem Sommercamp notwendig. Es sei "sehr kurzsichtig", wie einige
Krankenkassen verfahren würden, findet Dr. Ulrich Thiesen. Auch er ist von der Therapie
überzeugt.
"Die Basis wurde bei dem Sommercamp gelegt", erklärt Marina Thiesen die Fortschritte von Sohn
Christoph (15). Doch inzwischen "hakt es", so Thiesen, die froh ist, dass ihr Sprössling nun
an diesem Wochenende an Vergessenes erinnert wird.
Außerdem würde ihr Sohn sehr gerne zu den Veranstaltungen von Susanne Rosenberger gehen.
"Die Gruppendynamik ist toll", so die Mutter. Und Rosenberger ergänzt: "Zwei Kinder wollen
sogar Logopäden werden." Informationen zur Stotterintensivtherapie gibt es auf der
Internetseite unter www.sommercamp-hessen.de.
Usinger Anzeiger vom 04. August 2004
In der Gruppensituation fällt vielen Jugendlichen das Sprechen ohne das lästige Stottern
leichter.
Bilder: Stehr Lokales 04.08.2004
Wenn die Freizeitsprache gegen das Stottern helfen soll
Drei Wochen Intensiv-Stottertherapie führt Jugendliche zum Klettern nach Oberreifenberg
Britta Stehr OBERREIFENBERG. Es ist augenscheinlich nur ein kleines Handikap, das die 21
Jugendlichen zwischen neun und neunzehn Jahren haben, die in Oberreifenberg bei Taunatours klettern - ein Handikap,
das man ihnen nicht ansieht: sie stottern.
Bereits zum vierten Mal organisiert die Frankfurter Logopädin Susanne Rosenberger in Hessen die dreiwöchige
Stotter-Intensivtherapie. Aus ganz Deutschland kommen die 16 Jungen und fünf Mädchen in die Jugendherberge in Büdingen,
um unter der Anleitung von drei Logopäden und vier Betreuern gemeinsam gegen den Sprachfehler anzugehen. Dabei sind pro
Tag fünf Therapieeinheiten angesetzt. "Das große Plus ist, dass ich in die spontane Sprache in Freizeitsituationen
eingreifen kann", sagt die Camp-Leiterin. Dadurch könne man in den drei Wochen mehr bewirken als in einer Therapie von
eineinhalb Jahren.
Julian (14) aus Dinslaken bildet ganz bewusst die Wörter. Vielleicht redet er ein wenig langsamer, aber nur ganz selten ist
ein Stottern zu hören. Es motiviere und tue gut zu sehen, dass man mit seinem Problem nicht allein da stehe.
"Außerdem ist die Freizeit hier ganz toll, eben wie ein Ferienlager." Deshalb stehen auch Freizeitaktivitäten wie Klettern
auf dem Programm. Konzentriert stehen die Jugendlichen am Rand des Indoor-Hochseilgartens und einige rund um den
Pamper-Pole, sichern sich gegenseitig, sprechen sich Mut zu und klatschen, wenn einer die Übung bewältigt hat. Mit dem
Klettern solle vor allem das Selbstbewusstsein gestärkt werden, "da wir hier Grenzen erkennen und überschreiten können. Das
macht dann stolz", erklärt die Campleiterin. Denn es sei wichtig, dass die Kinder ein Gefühl für sich selbst entwickelten
und ihr Selbstwertgefühl gestärkt werde.
Die Intensivtherapie ist in zwei Phasen aufgeteilt. Zunächst sollen sich die Stotternden mit ihrer Schwäche identifizieren,
sie annehmen, bewusst stottern und auf keinen Fall das Sprechen oder schwierige Wörter vermeiden. Anhand von Videoaufnahmen
konnten die Jungen und Mädchen sehen, wie sie sich beim Stottern verhalten. Susanne Rosenberger nennt häufige Begleitsymptome wie den Blickkontakt vermeiden oder mit den Händen spielen.
Im zweiten Teil erlernen die Jugendlichen Techniken flüssiger zu sprechen. Außerdem wird verhaltenstherapeutisch versucht,
die Begleitsymptome zu vermeiden und somit das Stotter-Schema zu durchbrechen.
Zum Abschluss der Therapie bereitet die Gruppe eine Präsentation über die Abwasserkatakomben der Stadt Frankfurt vor, die
sie ihren Eltern vortragen wollen. "Dies ist vergleichbar mit der Angstsituationen, ein Referat vor der Klasse zu halten",
erklärt Susanne Rosenberger. Und wenn dies bewältigt sei, hätten die Stotterer viel erreicht und könnten mit neuem
Selbstvertrauen mit ihrem Sprechproblem umgehen.
Genetische Veranlagung "Es gibt eine genetische Disposition, ein Stotter-Gen, das durch mehrere ungünstige Faktoren das
Stottern auslösen kann", sagt die Expertin. Ungefähr fünf Prozent aller Kinder stottern. Allerdings würden bei vielen
Kindern auch nur vorübergehend Sprachschwierigkeiten auftreten. Dies könne zwei Wochen oder auch sechs Monate andauern.
Erst danach spreche man von einem manifestierten Stottern. Meist hätten die Eltern ein gutes Gespür dafür, ob es temporär
sei oder nicht, hat die Logopädin festgestellt. Grundsätzlich empfiehlt Susanne Rosenberger den Eltern ein
kommunikationsförderndes Verhalten, wie langsames Sprechen, den Blickkontakt halten, bewusstes Zuhören und das Kind
aussprechen lassen. Dies alles entspanne die Atmosphäre und nehme den Stotternden den Druck.
www.sommercamp-hessen.de
Kreisanzeiger vom 31. Juli 2004
Während eines didaktischen und erholsamen Tageslaufs zugleich lernen die Teilnehmer
im Sommercamp, wie sie das Stottern wieder loswerden.
Bild: Lori
Im Sommercamp das Stottern verlernen
Junge Leute aus ganz Deutschland nehmen derzeit an einem Lehrgang in der Büdinger Jugendherberge
teil
Georgia Lori BÜDINGEN. Samuel und Katharina stehen im Sonnenlicht, halten sich einen Spiegel vor das Gesicht und
beobachten sich selbst beim Sprechen. Mit Spiegeln und Videoaufzeichnung lernen sie, besser mit ihrer Sprechstörung
zurechtzukommen und werden dabei von erfahrenen Logopäden unterstützt. Die beiden Jugendlichen gehören zum Sommercamp
für stotternde Kinder und Jugendliche, das vor vier Jahren initiiert wurde und nun zum ersten Mal in der Jugendherberge
Büdingen stattfand. Campleiterin Susanne Rosenberger, eine Frankfurter Sprachtherapeutin, versucht eine neue Therapieform
des klangvollen Sprechens.
2000 arbeitete sie im Stottertherapie-Sommercamp in Österreich mit. Ihre Erfahrungen animierten sie, ein solches Camp auch
in Deutschland zu organisieren. In Büdingen nahmen 21 Teilnehmer von neun bis 19 Jahren aus Bayern, Baden-Württemberg, dem
Ruhrgebiet und aus Rostock teil, die von zwei Betreuern, zwei Praktikanten und drei Logopäden während des dreiwöchigen
Camps betreut wurden.
"Stottern wird meist durch eine genetische Komponente ausgelöst, psychischen Faktoren wie einem Schock oder sind
entwicklungsbedingt", sagt Rosenberger und versucht gezielt ihr Konzept zur Überwindung der Sprachhemmung zu erklären.
Einen Teil ihres Büros aus der Frankfurter Praxis hat sie eigens in die Jugendherberge verlagert, Drucker und Laptop
installiert, während die Jugendlichen in diversen Gruppenräumen eine Etage tiefer das Gelernte schon mal in die Praxis
umsetzen.
Viele haben schon eine Einzel-oder Gruppentherapie in ihren Heimatorten erfahren. Im Camp wachsen sie schnell zu einer
Gruppe zusammen, entwickeln eine gewisse Eigendynamik, die das Selbstvertrauen stärkt. "Die Jugendlichen brauchen in der
ambulanten Therapie 1,5 Jahre, für das, was sie hier in drei Wochen lernen", sagt die 33-jährige Logopädin Susanne
Rosenberger nicht ohne Stolz. Als wichtiges Therapie-Element empfindet sie Bewegung zur Musik, weil Körpermotorik und
Sprechstörung eng zusammen gehören. In der Therapie werde zunächst das Stottern genau identifiziert, danach folge eine
Phase der Abhärtung gegen das Stottern, so dass die Angst vor dem Sprechen und dem Stottern abnehme. In der Phase der
Modifikation werde unter anderem das klangvolle Sprechen geübt.
Auf dem Freizeitprogramm stehen verschiedene Ausflüge, sportliche Aktivitäten wie Fußball, Walking oder Basketball
sowie kreative Angebote. So soll der Hochseilgarten in Schmitten dazu beitragen, Vertrauen in Andere zu lernen und das
Selbstvertrauen zu stärken. Die Kinder und Jugendlichen sollen auch im Alltag selbstbewusst mit dem Stottern umgehen
lernen und üben deshalb, Passanten in der Stadt anzusprechen. Wie Rosenberger bestätigte, hätten alle angesprochenen
Passanten in Büdingen sehr freundlich und nicht komisch reagiert, wenn gestottert worden sei.
Zum Abschluss ist eine Projektwoche geplant, unter dem Motto "Club sauberes Frankfurt" mit Besichtigung der
Abwasser-Katakomben. Die Präsentation für Eltern, Verwandte und Interessierte soll am 14. August ab 10.30 Uhr in der
Jugendherberge stattfinden.
Wie Rosenberger deutlich machte, stottern 1,3 Prozent der gesamten Bevölkerung ab dem Jugendalter, beziehungsweise
800 000 Menschen in ganz Deutschland.
Rund 1 600 Euro zahlen die Eltern für die Therapie, weitere 500 Euro kosten Unterkunft und Verpflegung im Sommercamp.
Die meisten Krankenkassen übernehmen die Therapiekosten, einige aber auch nicht. Dann bleibt nur noch die Zahlung aus dem
elterlichen Geldbeutel.
Auch 2005 soll das Sommercamp wieder in Büdingen stattfinden. Kontakt: sommercamphessen@hotmail.com .
Informationen zum Stottern finden Interessierte unter www.sommercamp-hessen.de oder beim Bundesverband der
Stotterer-Selbsthilfe unter www.bvss.de
Nassauische Neue Presse vom 16. August 2003
Die Einsamkeit des Stotterers Therapiestunde in der Innenstadt
Von Klaus-Dieter Häring
Limburg. "Was glauben Sie, was ist die Ursache für Stottern? Wie würden Sie sich fühlen, wenn Sie vor einer Gruppe oder am Telefon stottern würden?"
Diese und andere Fragen wurden Passanten in der Limburger Innenstadt am Freitagnachmittag von Jugendlichen gestellt, die selber stottern und die zu den Teilnehmern einer Intensivtherapie für stotternde Kinder und Jugendliche gehören.
Veranstaltet wird diese Therapie von der Frankfurter Logopädin Susanne Rosenberger in einem Sommer-Camp in der Domäne Hohenfels bei Hahnstätten. Und das mit sehr viel Erfolg, wie die teilnehmenden Jugendlichen berichten. "Ich hatte schon fünf Therapeuten, die alle nicht geholfen haben. Danach wurde es nur noch schlimmer", sagt der zehnjährige Uyar Sertac, der die Therapie von seinen Eltern bezahlt bekommt. "Ich habe gestern einen langen Text erstmals ohne Stottern vorgelesen", erzählt er stolz, "und ohne Unterbrechung."
Viele Betroffene werden von ihrer Krankenkasse nicht mehr unterstützt, da immer mehr Therapien dieser Art nicht mehr finanziert werden. So ging die Teilnehmerzahl am Sommer-Camp, trotz belegbarer Erfolge, in der jüngsten Vergangenheit zurück. "Am Anfang waren es 28 Teilnehmer, in diesem Jahr nur noch 13", sagt Susanne Rosenberger.
Das Konzept ist, in der dreiwöchigen Intensivtherapie eine ideale Verbindung von Therapie und Freizeit zu schaffen. Die stotternden Kinder und Jugendlichen erfahren durch die Gruppentherapie, dass sie nicht allein mit ihrem Problem sind und können sich gegenseitig motivieren.
In der Therapie wird die Ursache des Stotterns identifiziert, danach folgt eine Phase der Abhärtung gegen das Stottern, so dass die Angst vor dem Sprechen und dem Stottern abnimmt. Es werden drei Gruppen gebildet, die nach Alter unterteilt sind. Jede dieser Gruppen wird von einer Therapeutin und mehreren Betreuern geleitet. Ziel ist es, dass die Kinder und Jugendlichen im Laufe der Zeit in der Lage sind, flüssiger zu sprechen. Zum Programm gehört auch ein Besuch in Limburg, um das Erlernte im Alltag auf der Straße zu testen.
Oliver Krause aus Saar-Wellingen, 13 Jahre alt, leidet sehr darunter zu stottern. "Wir werden viel gehänselt. Vor allem in der Schule", beantwortet er fließend und mit weichem Tonfall die Frage nach dem Umgang der Mitmenschen mit seinem Handicap. Auch der 14-jährige Christian Strümpf aus Magdeburg leidet. "Wenn ich gehänselt werde, werde ich manchmal aggressiv", sagt er. Und genau das Gegenteil sollte praktiziert werden. Weich sprechen und Augenkontakt beim Sprechen suchen. Doch gerade das ist für viele schwierig.
Eine der kleinen, effektiven Hilfen kommt von Susanne Rosenberger, in dem sie ihre Schützlinge während des Interviews leicht an den Schultern berührt. Sofort wird die Aussprache der Jugendlichen ruhiger. Und sie suchen den Augenkontakt.
Taunus Zeitung vom 29. Juli 2003
"Es hilft einfach, dass hier alle stottern"
Von Astrid Walter
Oberstedten. Ein Mädchen sitzt im Eiscafé und bestellt sich einen Eisbecher. Für die meisten Jungen und Mädchen ist das ganz normal. Für die Kinder und Jugendlichen, um die sich Susanne Rosenberger zurzeit im Haus Heliand kümmert, ist es dagegen ein großer Schritt. "Wenn stotternde Kinder sich so etwas trauen , dann ist das ein tolles Gefühl", sagt Susanne Rosenberger. Die ausgebildete Logopädin arbeitet normalerweise in einer Praxis in Frankfurt. Seit 2001 organisiert sie zusätzlich ein Mal im Jahr ein "Sommercamp", bei dem stotternde Kinder aus ganz Deutschland intensiv betreut und therapiert werden. "Im Anschluss daran gibt es dann auch eine Nachsorgewoche", erzählt die Therapeutin. Und bei dieser Woche sind diesmal 14 Jungen und Mädchen dabei - deutlich weniger Teilnehmer als bei den Camps.
"Einige der Kinder sind momentan im Urlaub, oder sie haben noch keine Ferien und werden nicht von der Schule freigestellt", zählt sie als Gründe für die niedrige Teilnehmerzahl auf. "Aber bei den meisten Kindern liegt es daran, dass die Krankenkassen die Kosten nicht tragen. Etwas Neues wird nur schwer finanziert", erklärt Susanne Rosenberger.
Die Kinder im Alter zwischen 10 und 17 Jahren, die trotzdem für eine Woche Nachbereitung in Oberursel angereist sind, loben den entspannten Umgang im Camp. "Es hilft einfach, dass hier alle stottern und man sich deshalb gleich lockerer fühlt", sagt Christina (14 Jahre).
"Das Lockern ist ein sehr wichtiger Bestandteil der Therapie", sagt Susanne Rosenberger. "Deshalb machen wir auch Wahrnehmungsspiele, bei denen zum Beispiel einem Kind die Augen verbunden werden, und ein anderes es führt. Wenn dabei Vertrauen entsteht, wird das Kind lockerer. Ebenso durch die weichen Bewegungen beim Tanzen. Das wirkt sich dann auch auf das Sprechen aus", so die Logopädin.
Das Stottern vollständig abzustellen, lernen ihre Patienten in den drei Wochen Camp und in der Woche Nachbereitung nicht. Das sei auch nicht möglich, so die Therapeutin. Aber es werden ihnen, Rosenberger zufolge, Techniken vermittelt, die helfen, mit ihrer Sprachstörung besser umzugehen. Eine dieser Techniken ist das Pseudostottern. Dabei stottern die Jugendlichen absichtlich, um damit einen unkontrollierten Stotteranfall zu verhindern. "Leider gelingt es nicht immer, diese Tricks im Alltag anzuwenden", sagt Jan. Der 17-Jährige war beim Stottercamp 2001 dabei und erklärt: "Bei Leuten, die keine Ahnung davon haben, fällt das eben schwerer. Aber am Ende jeden Camps merkt man trotzdem bei allen starke Verbesserungen."
Weitere Informationen zum Therapieangebot gibt's unter der Rufnummer 01 60-5 98 79 44. Fürs Camp 2003, das am 3. August in der Domäne Hohenfels beginnt, können sich Interessierte noch anmelden. (asw)
Taunus Zeitung vom 30. Juli 2002
Das Gespenst sichtbar machen
Kronberg. "Tanzen, muss das sein?" Fast alle Kinder und Jugendliche moserten am ersten Abend des Stotterer-Sommercamps.
"Doch mittlerweile haben sie sich an unser tägliches kleines Tanzprogramm gewöhnt. Viele fragen schon frühmorgens,
wann wir wieder aktiv werden", erzählt Susanne Rosenberger. Tanzen, das gehört ebenso zur Therapie wie Videoanalysen und
Interviews mit Passanten in Kronberg. Denn: Das Gelernte soll gleich angewendet werden.
"Tanzen und einen Rhythmus finden, das hilft der Grobmotorik, die wiederum wichtig für die Feinmotorik des
Sprechens ist", weiß die Therapeutin Rosenberger. Die gelernte Logopädin organisiert im zweiten Jahr im Fritz-Emmel-Haus
ein Sommercamp für stotternde Kinder und Jugendliche. "Ich arbeite in einer Praxis in Frankfurt. Von dort aus habe ich nach
einem geeigneten Ort für das Sommercamp gesucht und bin vor einem Jahr in Kronberg fündig geworden", erzählt die 30-Jährige,
die das erste Therapie-Sommercamp dieser Art in Deutschland anbietet.
Aus ganz Deutschland sind auch dieses Mal wieder die 22 Teilnehmer im Alter von neun bis 17 Jahren gekommen. Noch knapp zwei
Wochen dauert das Camp, das eine Mischung aus Therapie und Ferienfreizeit ist. "Die größte Zeit des Tages verbringen die
Kinder allerdings mit der Gruppen-Therapie", erklärt Rosenberger. "Aber wir unternehmen auch eine Nachtwanderung, fahren an
den Flughafen nach Frankfurt oder besuchen den Opel-Zoo. Ein Mal pro Woche veranstalten wir einen bunten Abend, für den
jede Gruppe einen kleinen Sketch einstudieren muss."
Was dem Nachwuchs neben der täglichen Therapie hilft, ist vor allem
auch der Erfahrungsaustausch mit den anderen. "Viele erleben in der Schule dasselbe: Sie werden wegen ihres Stotterns
gehänselt", so Rosenberger.
Stottern, so die Logopädin, ist eine Kommunikationsstörung. "Es hat nichts mit Intelligenz zu tun." Im Sommercamp
in Kronberg lernen die Kinder, wie sie mit ihrem Sprachproblem besser umgehen können, denn heilbar ist Stottern nicht.
"Wir haben am Ende des Camps unser Ziel erreicht, wenn bei den Kindern das Stottern weniger geworden ist und die Phasen,
in denen es ausbricht, seltener sind." Dafür sorgen die Techniken, die in der Therapie vermittelt werden: "Die Teilnehmer
lernen beispielsweise das klangvolle Sprechen", erläutert Rosenberger. "Sie achten auf ihr Sprechtempo, auf die gebundene
Rede und auf die nötigen Sprechpausen. Sie üben Artikulation und Dynamik. Das soll helfen, auch im Schulalltag Blockaden zu
lösen, etwa, wenn man ein Referat vor Publikum halten muss."
Die Therapie setzt sich aus Bausteinen aus der Verhaltenstherapie nach van Ripers und der so genannten
Herziger-Intensivtherapie zusammen. "Inhaltlich haben die Eltern die Möglichkeit, bei einem extra Elternseminar mehr
Informationen über das Thema Stottern zu erfahren", fügt die Logopädin hinzu. "Zudem sollen die Eltern der Teilnehmer die
Gelegenheit erhalten, durch entsprechende Anleitung ihren Kindern bezüglich des Sprechens besser helfen zu können."
Den jüngeren Teilnehmern verdeutlichte Susanne Rosenberger das Ziel des insgesamt dreiwöchigen Sommercamps mit einem
anschaulichen Vergleich: "Das Stottern ist wie ein Gespenst, das man einfach nicht greifen kann. Wir wollen dieses
Gespenst jetzt sichtbar machen."
Frankfurter Rundschau vom 23. Juli 2002
22 Jungen und Mädchen überwinden Sprachhemmung
von Christoph Manus
Beim 2. Sommercamp für Stotterer im Kronberger Fritz-Emmel-Haus lernen 22 Kinder und Jugendliche seit gestern, ihre Sprachhemmungen zu überwinden. Die Campleiterin Susanne Rosenberger versucht einen neuen Weg in der Stottertherapie: Bewegung soll beim Sprechen helfen.
KRONBERG. "Stellt euch mal vor, ihr wärt eine Marionette, die an einem Faden hängt", sagt Susanne Rosenberger zu den 22 Kindern und Jugendlichen im Gruppenraum. Die bewegen mal nur den Finger, dann nur die Schultern, schließlich sind die Beine dran. Konzentriert lauschen die Jungen und Mädchen den Anweisungen der Therapeutin. Dann können sie sich wieder entspannen und tanzen zur Pop-Musik aus dem Kassettenrekorder.
Bewegung zur Musik ist ein wichtiges Therapie-Element beim Sommercamp. Denn Körpermotorik und Sprechstörung hängen eng zusammen, erklärt Susanne Rosenberger. "Stotterer haben oft eine schlechte Körperwahrnehmung, die Bewegungen wirken gehemmt." In der Großtherapie, an der alle Kinder teilnehmen, geht es daher in erster Linie darum, ein Gefühl für den eigenen Körper zu entwickeln und Selbstbewusstsein aufzubauen.
Stottern ist im Camp ausdrücklich erlaubt. Die Kinder sollen sich für die Sprechstörung nicht schämen, sondern selbstbewusst mit ihr umgehen - nicht nur in der Therapie, auch im Alltag. In Kleingruppen üben die Teilnehmer deshalb, Passanten anzusprechen - und dabei bewusst zu stottern. "Um erst mal die Hemmungen zu verlieren", erklärt Rosenberger. Gerade für Jugendliche sei das ein großes Problem. "Wenn der merkt, dass ich stottere, findet der mich nicht mehr toll", erzählen ihr die Jungen und Mädchen.
Von Berlin, Dortmund und Bayern sind die Kinder und Jugendlichen im Alter von 9 bis 17 Jahren angereist. Die meisten haben schon andere Therapien hinter sich. Zu den Jüngsten im Sommerlager gehört die neunjährige Josefine aus Frankfurt. Ihre Eltern haben sie für die dreiwöchige Therapie angemeldet, obwohl sie nur manchmal stottert. "Wenn ich aufgeregt bin oder nach Hause komme und meinen Eltern ganz viel auf einmal erzählen will, dann kommen die Worte alle auf einmal." Und dann fängt sie an zu stottern.
Das sei typisch, erklärt Susanne Rosenberger. "Das Gehirn denkt so schnell, dass der Mund nicht nachkommt." Zum Teil ist das auch physiologisch bedingt. Die zur Lautbildung erforderliche Koordination im Mundraum funktioniert bei diesen Patienten nicht perfekt. Deswegen meiden diese Menschen dann bestimmte Laute - oder fangen an zu stottern. Ein Patient ihrer Frankfurter Praxis habe Schwierigkeiten mit dem S-Laut gehabt. "Statt der gewünschten Salami hat er dann in der Metzgerei aus Verlegenheit immer nach Gelbwurst verlangt. Obwohl er die gar nicht mochte."
Andere Ursachen für das Stottern können erbliche Veranlagung oder Schocksituation sein. Rund fünf Prozent der Kinder stottern, bei den Erwachsenen sind es immerhin noch ein Prozent. Nach dem Erfolg des vergangenen Jahres veranstaltet die Frankfurter Logopädin nun zum zweiten Mal das Sommercamp, unterstützt von zwei weiteren Logopädinnen, vier Betreuern und Praktikanten. Rund 1500 Euro zahlen die Eltern für die Therapie, weitere 400 Euro kosten Unterkunft und Verpflegung. Deshalb hofft Susanne Rosenberger für das nächste Mal darauf, dass alle Krankenkassen die Kosten der Therapie tragen. Dieses Jahr hatten sich manche Kassen geweigert, weil die Kostenübernahme für die neue Therapieform in den Heilmittelrichtlinien noch nicht geregelt sei.
Die Therapeutin Susanne Rosenberger vom Sommercamp ist per E-Mail zu erreichen unter sommercamphessen@hotmail.com. Informationen zum Stottern finden Interessierte auch auf der Homepage im Internet unter www.sommercamp-hessen.de oder beim Bundesverband der Stotterer-Selbsthilfe unter www.bvss.de
Taunus Zeitung vom 8. August 2001
Camp-Schüler von Ausflügen begeistert
Kronberg. Beim Radio zu arbeiten, das könnte sich Simon gut vorstellen. "Wir waren beim Hessischen Rundfunk und haben den Sender Planet Radio besucht", erzählt der Elfjährige. Simon gehört zu der 20-köpfigen Gruppe von Mädchen und Jungen, die am dreiwöchigen Therapie-Sommercamp für stotternde Kinder und ,Jugendliche teilgenommen haben. Im Fritz-Emmel-Haus waren die bis zu 17-Jährigen untergebracht. Die Logopädin Susanne Rosenberger hatte die Idee zu diesem Sommercamp "So etwas gab es in dieser Form in Deutschland vorher noch nicht", berichtet die Frankfurterin. Sie hat im vergangenen Jahr im Stottertherapie-Sommercamp in Osterreich mitgearbeitet. Ihre Erfahrungen und ihre Erlebnisse dort hat sie animiert, ein solches Camp auch in Deutschland zu organisieren.
Am vergangenen Samstag, dem großen Abreisetag, präsentierten die Kinder und Jugendlichen ihren Eltern, was sie in den drei Camp-Wochen alles auf die Beine gestellt haben. "Wir haben eine Ausstellung zusammengestellt", erklärt Simon. Medien im Vergleich war das Hauptthema. "Wir waren beim Fernsehen, beim Hörfunk und auch der Taunus Zeitung und haben überall hinter die Kulissen schauen dürfen", berichtet Susan-ne Rosenberger. Die Idee, sich auf das Thema Medien zu konzentrieren, fand sie einfach spannend. Die Rhein-Main-Region sei dafür ein idealer Ort.
Aber nicht nur das Hineinschnuppern in für die Kinder fremde Welten stand auf dem Programm. Besonders spannend sei auch die Nachtwanderung durch den Taunuswald gewesen. "Und das Tischtennisspielen hat tagsüber auch sehr viel Spaß gemacht", erzählt Simon.
Für die Logopädin Rosenberger und die 13 Betreuer, die ihr zur Seite standen, gab es am Ende eine Überraschung Die Kinder und Jugendlichen führten ein kleines Theaterstück auf, bei dem sie den Camp-Alltag in zehn Minuten zusammengefasst hatten.
Der Freizeit-Erlebnis-Bereich, so die Logopädin, sei mit einem therapeutischen verbunden gewesen: "Wir hatten pro Tag je drei gemeinsame große und mehrere kleine Therapieeinheiten auf dem Programm." Ganz heilen könne man das Stottern nicht, aber die Betroffenen hatten durch verschiedene Stimm- und Atemübungen gelernt, damit besser umzugehen und Ängste mehr und mehr zu überwinden. "Das Gelernte haben wir auch gleich in der Praxis geübt - mit einer Umfrage, die von den Kindern und Jugendlichen in der Innenstadt von Kronberg durchgeführt wurde."
Frankfurter Rundschau vom 4. August 2001
Für die meisten Stotterer ist es wie ein Zeitsprung
Beim dreiwöchigen Camp im Taunus lernen Kinder und Jugendliche neue Therapieform
Im Sommercamp für Stotterer im Taunus haben 30 Kinder und Jugendliche eine neue Therapie erfahren. Initiatorin ist eine Frankfurter Sprachtherapeutin.
KRONBERG. Hände in die Hüften, ein Hüpfer zur Seite, und dann kommt der berühmte Zeitsprung zur Musik aus der Rocky Horror Picture Show. "Let's do the time warp again", singen 30 Kinder und Jugendliche und tanzen vergnügt zur Musik. Tanzen gehört zur Therapie im - laut Veranstalterin - deutschlandweit ersten Sommercamp für Stotterer, zu dem die Neun bis 17-Jährigen ins Fritz-Emmel-Haus nach Kronberg gekommen sind.
Für die meisten der stotternden Teilnehmer ist es wie ein Zeitsprung in ihrer Sprechentwicklung, was sie in drei Wochen im Camp gelernt haben. "Es gefällt mir gut, und ich stottere viel weniger", sagt Konstantin aus Osnabrück. "Starr und verkrampft" sei ein Großteil der Kinder in Kronberg angekommen, berichtet die Camp-Initiatorin und Sprachtherapeutin Susanne Rosenberger. Inzwischen haben sie gelernt, sich fließend zu bewegen, einen Rhythmus beim Tanzen zu finden "die grobe Motorik für die feinste Motorik des Sprechens".
Susanne Rosenberger geht einen neuen Weg in der Stotter-Therapie. "Das klangvolle Sprechen" habe er erst im Camp gelernt, sagt der 13-jährige Sebastian aus Erfurt. Rosenberger kombiniert Therapieformen, die an den Symptomen des Stotterns ansetzen, mit der des Ravensburgers Frank Herziger, die auf dem Erlernen des klangvollen Sprechens beruht. Die 30 Jahre alte Logopädin lernte seine Therapieform bei einem von Herzigers Stotterer-Sommereamps in Österreich kennen.
In drei großen Therpieeinheiten üben die Stotterer das klangvolle Sprechen. Sie achten darauf, gebunden und mit deutlichen Pausen zu reden, üben Artikulation und Dynamik. In drei Gruppen vertiefen die Camp-Teilnehmer mit den insgesamt 13 Betreuern und Therapeuten das Gelernte und wiederholen die Übungen bei Aufgaben in ihrer Freizeit. In Projektgruppen haben die Teilnehmer auch eine Ausstellung zum Thema Medien vorbereitet, die sie am heutigen Samstag zum Abschluss des Camps präsentieren.
"Bei diesem dreiwöchigen Camp entstehen vollkommen andere Situationen als in einer Übungsstunde in der logopädischen Praxis", sagt Rosenberger. Wir haben viel größeren Einfluss auf die Spontansprache." Ohne Sprach-Therapie wird es auch nach dem Camp nicht gehen - und auch nicht ohne das tägliche Übungsprogramm. "Aber wir können erreichen, dass das Stottern weniger wird und die Phasen seltener. Die Kinder haben Werkzeuge an die Hand bekommen, um damit umzugehen", sagt die Logopädin aus Frankfurt. Auch wenn sie der Kampf mit den Kassen um die Anerkennung der Therapie, die Organisation und drei Wochen Camp sehr gestresst" haben, ist sie glücklich: "Ich sehe die Erfolge."
800 Mark zahlten die Eltern für Unterkunft und Verpflegung, die Therapiekosten von rund 3000 Mark tragen einige ebenfalls selbst. Nicht alle Kassen erkennen Rosenbergers Projekt an, weil sie keine eigene Praxis betreibt, sondern in Frankfurt-Höchst als Logopädin angestellt ist. Die AOK Hessen beispielsweise bezuschusst die Therapie mit 2700 Mark. "Auf jeden Fall", so verspricht Rosenberger, soll es auch im nächsten Jahr wieder ein Sommercamp für Stotterer geben. Das Fritz-Emmel-Haus sei schon gebucht.
Taunus Zeitung vom 1. August 2001
Wo kommen die Informationen her?
Kronberg/Bad Homburg. Jede Menge Fragen hatte sie mitgebracht eine Gruppe von Teilnehmern des Kronberger Therapie-Sommer-Camps für stotternde Kinder und Jugendliche. Zusammen mit Logopäden Ingeborg Becker, Logopädenschülerin Fanny Köhler und Betreuer Christian Vogel, stand gestern Vormittag die Besichtigung der TZ-Redaktion in Bad Homburg auf dem Programm. Die große Frage, die scheinbar alle beschäftigte: wie wird Zeitung eigentlich gemacht?
Neun der insgesamt 30 Seminarteilnehmer waren mit zur TZ gekommen, die übrigen Kinder und Jugendlichen im Alter von neun bis 18 Jahren, besuchten zeitgleich den Hessischen Rundfunk (HR) in Frankfurt. Wir haben drei Gruppen gebildet und diese altersmäßig gut gemischt. Unsere Leiterin, Susanne Rosenberger, ist mit einer Gruppe beim Radio, so Becker. Mit der Videokamera ausgestattet, wurde der TZ Besuch ausführlich dokumentiert, denn am kommenden Samstag, dem Abschlusstag des dreiwöchigen Camps, werden die Ergebnisse des Ausflugs zu Radio Fernsehen und Zeitung in einer Ausstellung im Fritz-Emmel-Haus in Kronberg, präsentiert und verglichen.
Und so wurden die TZ-Redakteure dann auch mit zahlreichen Fragen der jungen Gäste konfrontiert. Wie arbeitet ein Redakteur, was ist als Nachricht interessant. oder wie kommt die Zeitung zu den Lesern? "Woher bekommt ein Re-porter überhaupt seine Informationen?" - das wollte einer der Teilnehmer ganz genau wissen. Die Antwort Pressemitteilungen, Polizeiberichte, Telefon- oder Vor--Ort-Recherche sind die gängigsten Nachrichtenquellen. Nicht selten erhält die TZ-Redaktion aber auch "Insider-Informationen" unter der Hand. Solche Informanten sind besonders geschützt, da ihr Name nicht genannt werden muss. Nachrichten aus dem nahen und fernen Ausland erreichen die TZ zumeist über Korrespondenten der Deutschen Presse Agentur (dpa).
Der Besuch der TZ stellt für die Kinder auch die Möglichkeit dar, verschiedne Sprchaufgaben mit fremden Menschen zu führen und ihre Sprechangst zu überwinden. So kann das Stottern verflüssigt, wenn auch nicht ganz geheilt werden", erklärt Becker.
Die Seminarteilnehmer wissen nun auch ganz genau, dass die Taunus Zeitung seit 1970 über alles Wissenswerte in der Region berichtet, rund 72000 Menschen täglich die TZ lesen und knapp 50 fest angestellte Mitarbeiter bei der TZ beschäftigt sind. "Wie wird man eigentlich Redakteur?" - das wollten die jungen Gäste ebenfalls wissen. Voraussetzungen: Abitur, Studium und ein Volontariat sind die gängigen Stationen, um den Beruf des Redakteurs zu erlernen. Wie man eine Seite "layoutet", wie Artikel entstehen und wo die Bilder herkommen und wie diese bearbeitet werden - auch das gehörte zu den Eindrücken, die die Camp-Teilnehmer wieder mit nach Kronberg nahmen. Dort wird nun der Ausflug zur TZ ausgewertet und allen Interessierten im Fritz-Emmel-Haus vorgestellt.
Taunus Zeitung vom 21. Juli 2001
"Wer stottert, ist nicht weniger intelligent"
Kronberg. Durch das Fritz-Emmel-Haus laufen dieser Tage Kinder die viel lachen und sich rege unterhalten. Auf den ersten Blick nichts Ungewöhnliches. Doch ein großes Schild neben dem Eingang verkündet allen Besuchern, dass hier das "Stotterer-Sommercamp Hessen" stattfindet. Und tatsächlich, bei genauerem Hinhören fällt auf, dass die Kinder und Jugendlichen im Alter von acht bis 17 Jahren alle mehr oder weniger stottern.
Trotzdem scheinen sich alle Kids blendend zu verstehen. "Das ist auch eines der Ziele, die das Camp hat", erzählt Susanne Rosenberger, therapeutische Leiterin des Camps. "Die Kinder sollen neue Freunde finden und erkennen, dass sie mit ihrem Problem nicht alleine sind. Aus ihrem heimischen Umfeld kennen nur die wenigsten andere Stotterer."
Vor zweieinhalb Jahren hat Rosenberger, die 1994 die Ausbildung zur Logopädin abschloss und seitdem in einer Praxis in Frankfurt arbeitet, in einer Fachzeitschrift über Stotterer-Camps in Australien gelesen. Im vorigen Jahr wurde das erste europäische Stotterer-Camp in Österreich veranstaltet, bei dem Rosenberger als Leiterin einer Gruppe mitarbeitete.
Seit dem vergangenen Sonntag ist das Fritz-Emmel-Haus Gastgeber für das erste Stotterer-Camp in Deutschland. Die Kinder und Jugendlichen kommen aus dem gesamten Bundesgebiet. Während der dreiwöchigen Therapie, bei der die 32 Kinder rund um die Uhr von 13 Therapeuten und Praktikanten betreut werden, sollen die Kinder lernen, bewusster zu sprechen und vor allem die Angst vor der Sprache zu verlieren. Die Therapie findet entweder in einer großen Gruppe oder in drei kleineren Formationen statt, die nach Alter gestaffelt sind. "Die Kinder nach dem Grad ihres Stotterns einzuteilen, ist nicht sinnvoll, da kein Stottern dem anderen gleicht", erläutert Rosenberger. Was ihr besonders wichtig ist: "Stottern hat nichts mit mangelnder Intelligenz zu tun."
Die Vorteile eines Camps gegenüber der üblichen ambulanten Therapie, die einmal in der Wochen stattfinde, liegen für Rosenberge auf der Hand: "Das Sommercamp bietet ein reales soziales Umfeld mit vielen unterschiedlichen Gesprächspartnern. So ist es leichter, das in der Therapie Geübte auch in die Spontansprache zu übernehmen. Die Kinder sollen hier das klangvolle Sprechen lernen." Dabei müsste der Nachwuchs sich da daran gewöhnen, deutlich zu sprechen, bewusste Pausen zu machen und seine eigene Stimmlage zu finden. "Viele Stotterer sprechen einfach zu hoch", erklärt Rosenberger.
Kinder besuchen die TZ-Redaktion
Bei verschiedenen Ausflügen lernen die Kinder auch, mit fremden Menschen zu sprechen. Im Opel-Zoo haben wir im Rahmen einer Rallye Leute angesprochen und dabei absichtlich gestottert. Rosenberger: "Die Kinder fangen so an, lockerer mit ihrem Stottern umzugehen." In den kommenden Tagen stehen Projekte zum Thema "Medien" auf dem Programm, bei dem die Kinder verschiedene Mittel der Kommunikation kennenlernen sollen. In diesem Rahmen ist auch ein Besuch der Redaktionsräume der Taunus Zeitung geplant, um Einblicke in die Arbeit eines Redakteurs zu bekommen. Am Samstag, 4. August, wollen die Kinder dann die Ergebnisse ihrer Projekt im Fritz-Emmel-Haus interessierten Besuchern vorstellen.
Probleme mit Kostenübernahme
Kronberg.Das Therapie-Sommereamp bietet stotternden Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit, durch besonders intensive Therapie über drei Wochen hinweg in relativ kurzer Zeit merkliche Fortschritte zu machen. Mit 13 Betreuern für 32 Kinder ist eine sehr ausführliche Beschäftigung mit den einzelnen Kindern möglich. Allerdings hat die Therapie auch ihren Preis. Zu den 800 Mark, die die Eltern für Unterbringung und Verpflegung aufbringen müssen, kommen noch 3000 Mark Therapiekosten pro Kind. Diese sollten eigentlich von den Krankenkassen übernommen werden, die auch die übliche ambulante, Therapie der Kinder bezahlen. Doch hier entstehen offenbar Probleme. Damit die Krankenkassen zahlen. benötigt Susanne Rosenberger, therapeutische Leiterin des Camps, eine Kassenzulassung. Diese wird an Logopäden vergeben, die die erforderliche Ausbildung absolviert haben, seit mindestens zwei Jahren ihren Beruf ausüben und eine entsprechende Praxisausstattung und Praxisräume besitzen. Rosenberger erfüllt mit ihren über sieben Jahren Berufserfahrung alle Voraussetzungen bis auf die Tatsache, dass sie als Angestellte keine eigenen Therapieräume besitzt.
Zwar waren viele Kassen bereit, zumindest einen Teil der Kosten zu übernehmen, jedoch mussten von den über 60 interessierten Eltern fast die Hälfte die Anmeldung ihrer Kinder wieder zurückziehen, da sie die Gebühren nicht aufbringen konnten. Rosenberger wünscht sich in Zukunft für ihre Camps ein größeres Entgegenkommen von den Kassen: "Damit auch jedes Kind an den Veranstaltungen teilnehmen kann, sollten alle Krankenkassen 100 Prozent der Kosten übernehmen."(js)
Frankfurter Rundschau vom 2. Mai 2001
Beim Sommercamp im Taunus soll das Stottern vergehen
Logopädin bietet neue Therapieform für Kinder und Jugendliche an / Nicht alle Kassen sind bereit, Kosten zu übernehmen
FRANKFURT A. M. An Argumentationsmaterial mangelt es Susanne Rosenberger nicht. In einem mehrseitigen Faltblatt stellt die
Frankfurter Logopädin ihre Intensivtherapie für stotternde Kinder und Jugendliche vor, erklärt, wie sie mit einem
dreiwöchigen Sommercamp im Taunus die üblichen ambulanten Therapien ergänzen will. 60 Anmeldungen hat sie schon, 800 Mark
soll diese Form der Therapie kosten, die sich auf Erfahrungen in Österreich stützt und Erfolge wie ein Jahr ambulante
Therapie bringen soll. 800 Mark inklusive Kost und Logis - vorausgesetzt, die Krankenkassen bezuschussen das Projekt mit
3000 Mark je Teilnehmer.
Das aber tun längst nicht alle Kassen. Cathrin Bubala vom Verband der Angestellten-Krankenkasse und der
Arbeiter-Ersatzkassen sieht keine Möglichkeit, für die Intensivtherapie die Kosten zu übernehmen. "Für eine
Krankenkassenzulassung gibt es strenge Richtlinien, und die erfüllt Frau Rosenberger nicht", sagt sie.
Ausschließlich niedergelassene Therapeuten würden von den Kassen bezuschusst. Susanne Rosenberger aber ist in einer
Logopädischen Praxis angestellt und möchte daran auch vorläufig nichts ändern. "Es ist ja nicht so, dass wir die Qualitäten
von Frau Rosenberger anzweifeln. Trotzdem können wir nicht einfach gegen Richtlinien der Heilmittelverordnung verstoßen."
Die gesetzlichen Krankenkassen legen die Richtlinien weniger streng aus und machen die Bezuschussung vom Einzelfall
abhängig. So haben die Frankfurter Geschäftsstelle der Deutschen Angestellten Krankenkasse und die Mainzer Filiale der
Techniker-Krankenkasse in zwei Fällen zugesagt, die 3000 Mark für das Sommercamp zu übernehmen. Dass eine Kasse verweigere,
was eine andere bezuschusse, sei keineswegs unüblich, erklärt Eveline Hatzel, Justiziarin beim Deutschen Bundesverband für
Logopädie. In den Heil- und Hilfsmittelrichtlinien sei der Leistungskatalog der Kassen festgeschrieben - Intensivtherapien,
die außerhalb der Praxisräume durchgeführt werden, gehören nicht zu den Leistungen, für die die Kassen aufkommen müssen.
Aber können. Die Richtlinie, dass nur niedergelassene Therapeuten leistungsberechtigt sind, sei in der Vergangenheit schon
des öfteren für Pilotprojekte außer Kraft gesetzt worden. Verpflichten könne man dazu allerdings keine Kasse. yell
Das Therapie - Sommercamp findet vom 15. Juli bis 4. August in Kronberg im Taunus statt. Susanne Rosenberger ist
erreichbar unter Telefon 069/59673360.
Frankfurter Rundschau vom 18. Januar 2001
In der Gruppe vergeht die Angst vorm Stottern
Logopädin bietet neue Stottertherapie für Kinder und Jugendliche an: Freizeit im Taunus
Von Jutta Rippegather
Neue Wege in der Stottertherapie für Kinder und Jugendliche: Ein Sommercamp in Kronberg im Taunus soll die üblichen ambulanten Behandlungen ergänzen und stationäre verhindern.
FRANKFURT A. M./ KRONBERG. Stotterer haben es im Alltag schwer. Von anderen Kindern werden sie gehänselt, Erwachsene zeigen
wenig Geduld mit ihnen. Oft ziehen sie sich deshalb von ihren Mitmenschen zurück. "Stottern hat nichts mit Intelligenz zu
tun", sagt Susanne Rosenberger (29), Logopädin in Frankfurt-Höchst. Churchill und andere Berühmtheiten seien Stotterer
gewesen. Und doch befürchten Eltern, dass dem Nachwuchs in Schule und Beruf Nachteile entstehen. Sie suchen dann beim
Logopäden Rat und Hilfe. Intensive Angebote existieren allerdings nur für erwachsene Stotterer. Minderjährige erhalten
meist einmal wöchentlich eine Therapie - und damit Schluss. Oder sie müssen zur stationären Behandlung ins
Sprachheilzentrum, etwa nach Ravensburg oder Gießen. Der Nachteil: Sie werden ein halbes Jahr aus der Familie gerissen.
Rosenberger: "Viele Eltern wollen ihren Kindern das nicht antun."
Das Sommercamp soll jungen Stotterer nun auch in Deutschland eine zusätzliche Chance eröffnen, ihren Redefluss zu
verbessern. Das Wort Heilung nehmen weder seriöse Logopäden noch der Bundesverband Stotterer Selbsthilfe in Köln in den
Mund. Vielmehr gehe es darum, mit dem Sprachfehler gut zurecht zu kommen.
Eine dreiwöchige Sommerfreizeit für Neun- bis 18-Jährige mit intensiven Gruppentherapien und Freizeitangeboten, bei
denen sie das Erlernte gleich anwenden können: Mit diesem Projekt ging Rosenberger schon länger schwanger. Bei einer
Fortbildung erfuhr die Logopädin von ihrem Kollegen Frank Herzinger, der so etwas in Österreich bereits anbietet. Das
diesjährige dritte Sommercamp des Leiters der Abteilung Stottertherapie im Sprachheilzentrum Ravensburg, ist bereits
ausgebucht.
Dass Bedarf da ist, dessen versicherte sich Rosenberger, als sie voriges Jahr eine der Gruppen in Österreich leitete.
Als Erfolgsmesser nahm sie einen langjährigen Patienten, zwölf Jahre alt, mit. "Er hat dort wahnsinnige Fortschritte
gemacht." Das hat sie überzeugt: "Ein Camp bringt so viel wie ein Jahr ambulante Therapie."
Das möchte der Bundesverband Stotterer Selbsthilfe zwar nicht blind unterschreiben. "Denn wir sind unparteiisch
gegenüber einzelnen Therapieformen", so Mitarbeiter Konrad Schäfers. Doch Rosenberger steuere auf einem zukunftsweisenden
Weg. "Das Konzept der Intensivtherapie beginnt sich durchzusetzen."
Bezüglich des Tagesablaufs orientiert sich das Kronberger Camp an dem in Österreich: In drei Altersgruppen à maximal
zehn Personen nähern sich die jungen Stotterer ihrem Problem - in Kleinstgruppen oder auch alle 30 Camp-Teilnehmer
zusammen. Lässt die Konzentration nach, bieten Spiel und Sport Zerstreuung. "Der Vorteil ist, dass sie mit anderen
Stotterern zusammen sind." Und noch etwas habe das Camp der Einzeltherapie voraus: "Stottern ist eine
Kommunikationsstörung. Deshalb kann man es nicht alleine beheben."
Was die Methode betrifft, will sie nicht allein auf die von Herziger entwickelte Sprechtechnik setzen.
Sie mischt dessen Therapieform mit denen von Charles van Reiper und Carl Dell, die an den Symptomen ansetzen:
"Identifikation, Desensibilisierung, Modifikation."
Erst lernt der Stotterer die Sprechabläufe kennen, dann verliert er die Angst davor und schließlich verändert er seine
Sprache mittels "klangvollem Sprechen" (Herziger). Er achtet auf guten Stimmklang, redet ruhig, bemüht sich um sinnvolle
Pausen.
In drei Wochen kann die Therapie einige Fortschritte bewirken, sagt Rosenberger. Für Stabilisierung sollen
Auffrischungswochenenden im Herbst und Frühjahr sorgen. Im Idealfall bilden sich Regionalgruppen, die sich monatlich
treffen.
Das Konzept steht, das Fritz-Emmel-Haus in Kronberg ist vom 15. Juli bis 4. August gemietet. Die 29-Jährige hat bereits
drei Therapeutinnen und zwei Betreuer verpflichtet, erste Anmeldungen liegen vor.
Mit Hilfe von Sponsoren hofft die
Logopädin die Teilnehmerbeiträge auf einem erträglichen Maß zu halten: 800 Mark Kost und Logis für die drei Wochen sind ihr
Ziel. Dafür müssten jedoch auch die Krankenkassen Kosten übernehmen.
Susanne Rosenberger ist erreichbar unter Tel. 0 69 / 59 67 33 60, der E-Mail-Adresse sommercamphessen@hotmail.com oder im Internet unter www.sommercamp-hessen.de . Der Bundesverband Stotterer Selbsthilfe hat Tel. 02 21 / 1 39 13 70 und die Netadresse www.bvss.de .